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TÜV nicht bestanden

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Geschrieben

Hallo zusammen,

seit einiger Zeit bin ich nicht mehr aktiver Twike-Fahrer und habe mich frustriert, wie ich war, auch nicht mehr hier zu Wort gemeldet.  Bei der letzten TÜV-Prüfung kam es leider zu einem schweren Unfall.

Als der Prüfer sagte, ich solle eine Vollbremsung machen, haben die beiden Bolzen in der Nähe der acht Schrauben an der Verbindung zur Radaufhängung nachgegeben. Das Vorderrad ist nach hinten eingeklappt und hat dabei den Unterboden durchstoßen. Beide Scheiben sind geborsten.

Ich habe den TÜV-Prüfer gefragt, ob er das nicht als geringen Mangel durchwinken könne. Das wollte er aber nicht. Warum nur?

Bilder kann ich bei Interesse hochladen.

Die Reparatur in Rosenthal lohnt sich nicht.

Allerdings habe ich einen Schlosser und Hobby-Schrauber gefunden, der mein Twike für geringes Geld wieder flott macht. Knackpunkt sind die beiden Scheiben.

Wir hatten uns überlegt, ob wir nicht Scheiben aus Acryl nehmen könnten, da deutlich günstiger und leichter. Diese sind zwar in Deutschland nicht zugelassen, aber ein TÜV-Prüfer, den ich kenne, würde das so durchwinken.

Eine weitere Möglichkeit laut meinem Mechaniker wäre das Biegen einer geraden Acryl- oder Lexanscheibe mittels Heißluft.

Was meint ihr?

Vielen Dank!

Geschrieben
vor 19 Stunden schrieb Radreiter:

Ich habe den TÜV-Prüfer gefragt, ob er das nicht als geringen Mangel durchwinken könne. Das wollte er aber nicht. Warum nur?

Ein geringer Mangel? Das scheint mir eher ein schwerwiegender Mangel zu sein. Gut wurde dies bei der TÜV Prüfung entdeckt und nicht in der freien Wildbahn. 
Vielleicht kommst du an eine Scheibe von einem Twike das als Ersatzteillager dient?

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Geschrieben
  • Autor
Am 30.4.2024 um 21:24 schrieb Stefan:

Ein geringer Mangel? Das scheint mir eher ein schwerwiegender Mangel zu sein.

Naja, das Twike fährt ja noch. Man muss das Vorderrad nur auf ein Rollbrett stellen.

Aber mal im Ernst: Wieso sind da so dünne Stifte drin, die die Radaufhängung halten. Gehören da nicht dicke Bolzen in das Rundrohr?

Geschrieben

Ich war ja mal ein bisschen neidisch auf die TWIKE mit Scheibenbremse. Aber wenn ich das so sehe, bin ich froh, dass ich mich an die schwache Trommelbremse gewöhnt habe. Diese Schrauben prüfen kommt trotzdem auf den Wartungsplan.

Die rechte Scheibe habe ich tatsächlich auch schon mal austauschen müssen. Das hatte ich in Rosenthal machen lassen und ist schon ein paar Jahre her. Bei Interesse suche ich mal die Rechnung raus.

Geschrieben
Am 30.4.2024 um 21:24 schrieb Stefan:

Ein geringer Mangel? Das scheint mir eher ein schwerwiegender Mangel zu sein. Gut wurde dies bei der TÜV Prüfung entdeckt und nicht in der freien Wildbahn. 
 

Oh, Stefan, du verstehst nicht die feine norddeutsche Ironie ... Ihr Schweizer seid immer so ernsthaft ! Hier an der Schnittstelle zwischen  Nord- und Süddeutschland (vulgo: Main) kennt man sich mit den unterschiedlichen Temperamenten der verschiedenen hier immer durchziehenden Landsmannschaften inzwischen etwas aus 😉 .

Und Radreiter hätte es ja vielleicht schon besser gefunden, wenn's in freier Wildbahn passiert wäre, dann wüsste es jedenfalls der TÜV nicht und er hätte es so günstig reparieren lassen und darauf hoffen können, dass es dem Prüfer nicht auffällt ?!

Wobei ich das schon heftig finde, dass da sowas passieren kann - meine Güte !  Bei mir ist nur mal zum Ende der TÜV-Prüfung bei der Vollbremsung der Rücktritt stecken geblieben - wenn die Bremsflüssigkeitsbehälter nicht mehr so voll sind, kann es passieren, dass der Betätigungshebel der Rücktrittbremse zum Zylinder sich bei einer brutalen Bremsung "überschlägt" und nicht mehr zurückgeht, dann steht das TWIKE erst mal felsenfest und unverrückbar da, den Fehler kann man dann mit einem Schraubenzieher beheben und den Hebel wieder über den "Kipppunkt" zurückdrücken, aber das ist natürlich schon etwas aufwendig ... Dem Prüfer hat es damals jedenfalls nichts ausgemacht, er war derjenige, der da so brutal zugetreten hatte, er hat etwas das Genick eingezogen und die Plakette draufgepappt, derweil ich mit dem Schraubenzieher am Bremszylinder herumdrückte ! 

Ja, der TÜV ist immer wieder mal für eine kleine Freude gut - bisher habe ich's aber immer gut drüber gebracht, acht Mal insgesamt bisher, schon heftig !

Beim ersten Mal war der Prüfer total begeistert vom TWIKE, er meinte, er hätte sowas vor Jahren schonmal geprüft, fand es voll gut, wollte Fahrt. und Bremsprobe machen und fragt mich erstmal, wie das denn nochmal fährt - ich zeige ihm den Fahrknopf, er drückt zu und freut sich tierisch, wie das TWIKE loszieht - dann merke ich, dass er die Füße gar nicht auf den Pedalen hat und auf einen Zaun zufährt und mache ihm leicht panisch deutlich, dass er mit dem Pedal-Rücktritt bremsen muss und dafür doch lieber seine Füße dahin setzen soll, hat er gemacht und die Situation souverän gemeistert, aber ich hatte doch einen mittleren Schreck bekommen !

Aber zurück zur Sache - ich würde auch mal schauen, ob ich irgendwo von einem Teileträger-TWIKE eine Scheibe bekomme, das dürfte zwar nicht ganz einfach sein, aber den Versuch ist's bestimmt wert - mit Plexiglasscheibe fährst du ja hier in D ohne Betriebserlaubnis und damit eigentlich auch ohne Versicherungsschutz, auch wenn die Gefahr, dass da mit der Scheibe was passiert, minimal ist, wäre es doch saublöd, wenn das irgend jemand auffällt und du dann einen Haufen Strafe zahlen müsstest ! 

Frag doch mal den Wolfram Leister in Leun ! Neben Rosenthal DER Ober-TWIKE-Spezialist !

 

Geschrieben
Am 2.5.2024 um 23:13 schrieb Radreiter:

Naja, das Twike fährt ja noch. Man muss das Vorderrad nur auf ein Rollbrett stellen.

 

Aber ob das TWIKE dann noch in die Richtung fährt, in die du möchtest, halte ich bei der Rollbrett-Idee doch eher für fraglich !

Lenkkopflager ist wohl eine bekannte Schwachstelle des TWIKE, aber wenn ich das jetzt richtig verstehe, ist das nicht gebrochen, sondern komplett rausgeflogen ? Ich kenne mich da bei den "verborgenen" Teilen nicht so aus und kann das bei den Bildern nicht beurteilen .....

  • 3 Wochen später...
Geschrieben

Hallo Radreiter & Mitleser,

das sieht - sagen wir mal - unschön aus. Das tut nur schon beim Durchblättern der Bilder weh!

Ich hatte diese Tage mit einem TWIKE-Urgestein eine Unterhaltung zu dem Thema, welche in der Aussage mündete, hier "die worst case Kombination mit hydraulischer Scheibenbremse, nur Positionsbolzen und die Stahlmuffe ohne Reibschluss" zu haben. Ich selber bin erschrocken, weil mein TW415 aktuell genau diese Kombination hat, weil meine andere Gabel wegen eines abgerissenen  Lenkbolzens in Reparatur ist (dazu mehr zu gegebener Zeit).

Hier eine Analyse der Sachlage, welche hoffentlich weitere Unfälle dieser Art zu verhindern hilft.

Das ursprüngliche Konzept für die Befestigung der TWIKE-Lenkung am Rahmenrohr war eine Alu-Klemmuffe. Mit den 8 Schrauben wird auf die beiden Teile - Klammer hinten und Lenkmuffe vorne - eine Vorspannkraft ausgeübt, welche die Muffe mit einen sogenannten Reibschluss auf dem Rohr festhält. Die beiden M6 Bolzen sind eher Positionierbolzen, welche die Klammer bei der Montage und Einstellung des Nachlaufs an Ort und Stelle halten, und ein Verdrehen verhindern bis durch Anziehen der 8 Schrauben die volle Reibkraft aufgebaut ist. In der damaligen Auslegung mit einer schwachen Seilzug-Trommelbremse mag das genügend gewesen sein.

Mit der Einführung der hydraulischen Scheibenbremse treten am Lenkkopf erheblich höhere Kräfte auf. Damit sich der Lenkkopf unter Einwirkung dieser Kräfte nicht verdreht, wurde bei diesen Serien TWIKE die innere Klammer am Rahmen angeschweisst. Mein ehemaliges TW448 und das TW713 haben diese Konfiguration. So wiederum alles im grünen Bereich.

Dann kamen die Lenkmuffen aus Stahl, weil es Brüche bei den Alu-Muffen gab. Diese liegen nicht so eng und umfassend an und auf der Innenseite ist ist die Reibfläche geringer als bei der Original-Alu-Lenkmuffe. Dazu kommt eine bei Stahl-Alu um (je nach Tabellenwerten) Faktor 2 oder mehr geringere Reibung als bei Alu-Alu. Im Falle der am Rahmenrohr angeschweissten Klammer wirkt deshalb beim Bremsmanöver ein im Vergleich zu vorher grösserer Teil der Kräfte auf die oberen 4 Schrauben, welche durch Überlast abreissen, durch die Lastwechsel ermüden, oder sich lockern können. Dazu seien die Gewinde der Stahl-Lenkmuffe gemäss der eingangs geführten Diskussion relativ "hart" und bei der kurzen Länge der Befestigungsschrauben gibt es kaum Elastizität, die Wechselkräfte aufzunehmen. Aus diesem Grund wurden unter den Schraubenköpfen Distanzbüchsen verbaut (ich glaube die in den Fotos erkannt zu haben), weil längere Schraube = mehr "Federweg".

Und dann schliesslich Stahl-Lenkmuffe mit geringer Reibung und satt eingestellte hydraulische Scheibenbremse, vermutlich beide nachgerüstet, auf einem TWIKE mit nicht angeschweisster Klammer, welches alle problematischen Faktoren vereint.

Daraus folgt:

  • Scheibenbremse + Stahl-Lenkmuffe + nicht angeschweisste Klammer ist gemäss diesen Überlegungen ein no-no-no und erfordert Sofortmassnahmen (s.u.)
  • Bei der Montage der Lenkmuffe alle Teile sorgfältig entfetten und evtl in Querrichtung schleifen/feilen, um die Reibung zu maximieren 
  • Befestigungsschrauben und Federringe regelmässig austauschen (wegen möglicher Ermüdung) und auf korrektes Drehmoment (gemäss 2000er Servicehandbuch 10.5Nm) prüfen
  • Bei angeschweisster Klammer Distanzbüchsen und/oder Spannscheiben einbauen

Bei meinem TW415 habe ich als Sofortmassnahme in die innere Klammer zwei zusätzliche M6 Bolzen reingebohrt und die Kraft der vorderen Scheibenbremse massiv zurückgenommen. Oft reicht der Einstellungsbereich der Stössel nicht aus (nicht zu weit rausdrehen sonst halten die nicht mehr!) und deshalb habe ich bei der "Bremskraftwaage" beim rechten Gelenkkopf noch einen Aluwinkel unterlegt (siehe Foto). Sobald die andere Gabel repariert ist erwäge ich, diese wieder mit der ursprünglichen Alu-Lenkmuffe einzubauen. 

 

Allen eine sichere Fahrt! 
Florian + TW415 + TW713

IMG_0706_Markierung.jpg

Geschrieben
  • Autor
Am 31.5.2024 um 00:05 schrieb TW-448:

Bei meinem TW415 habe ich als Sofortmassnahme in die innere Klammer zwei zusätzliche M6 Bolzen reingebohrt und die Kraft der vorderen Scheibenbremse massiv zurückgenommen.

Hallo Florian,

vielen Dank für deinen Input. Tatsächlich haben wir das mit den Bolzen auch so gemacht. Also durch das Rudrohr 2 Löcher gebohrt und 2 komplett durchgehende Bolzen reingesteckt (siehe Bild unten; Bilder der kompletten Reparatur folgen)

Ich hoffe, das genügt. Neigt das Twike nicht zum Übersteuern, wenn man die Kraft der Scheibenbremse zurücknimmt?

Bolzen.thumb.jpg.ade5a64d15ac1496291af22f12256be7.jpg

 

 

Aktuell beschäftigt mich die Wahl der Scheibe. In Deutschland ist VSG zwar vorgeschrieben, aber mit dem aktuellen TÜV-Prüfer an meiner Hand könnte ich auch Plexiglas nehmen.

Ich wäge also ab, was wohl besser wäre:

Wir wollen ggf. folgendes Plexiglas nehmen: https://expresszuschnitt.de/plexiglas-kratzfest-uv100

Dieses wollen wir durch Wärme um den Rahmen formen und dann verkleben / verschrauben. Das Coating soll wohl bedingt hitzestabil sein, sodass man das gecoatete Plexiglas vorsichtig erhitzen kann. Durch das Coating ist das Plexiglas wesentlich kratzfester. Die Frage nach der Haltbarkeit bleibt leider offen.

Daher wäre es wohl auch denkbar, wenn ich die 1300 € für die beiden VSG bleche.

  

Am 10.5.2024 um 22:54 schrieb StromerBodo:

Frag doch mal den Wolfram Leister in Leun ! Neben Rosenthal DER Ober-TWIKE-Spezialist !

 

Hallo Bodo, vielen Dank für den Tipp. Ich frage mal nach.

bearbeitet von Radreiter

  • 3 Wochen später...
Geschrieben

War das Twike zum Unfallzeitpunkt denn nicht zumindest mit Teilkasko versichert so dass die Versicherung den Schaden mit den beiden Scheiben eigentlich weitestgehend übernehmen müsste ???

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