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Microlino

  • Typ: Leichtelektrofahrzeug
  • Produktionsjahre: 2022 -

Der Microlino ist ein zweisitziges Elektro-Leichtfahrzeug (L7e) im Stil der klassischen BMW Isetta, mit charakteristischer, nach vorne öffnender Fronttür. Ein puristischer, emotionaler "Gokart für den Strassenverkehr" ohne Fahrassistenz-Schnickschnack, der vor allem im Stadtverkehr und auf kurzen bis mittleren Strecken Spass macht. Er polarisiert positiv: kaum ein anderes Fahrzeug erzeugt im Alltag so viel Aufmerksamkeit und Sympathie bei Passantinnen und Passanten.

Technischer Überblick

Plattform. Eigenständige Leichtfahrzeug-Plattform der Klasse L7e (Schweizer Eigenentwicklung von Micro Mobility Systems), selbsttragende Karosserie aus Stahl/Aluminium.

Batterie: Je nach Ausführung 6,0 kWh, 10,5 kWh oder 14–15 kWh Bruttokapazität; Lithium-Ionen-Zellen mit NMC- bzw. NMC/NCA-Zellchemie.

Laden: Nur AC-Laden (Typ 2) verfügbar. Ca. 1,3 kW bei der 6-kWh-Variante, ca. 2,6 kW bei der 10,5/14-kWh-Variante Eine volle Ladung dauert dadurch je nach Akkugrösse mehrere Stunden bis ca. 4 Stunden oder länger.

Antrieb: Heckantrieb über eine permanenterregte Synchronmaschine an der Hinterachse (ca. 11–12,5 kW / 15–17 PS)

Software: Schlankes, eigenständiges Infotainment-/Bordcomputersystem (kein bekanntes Drittanbieter-OS wie Android Automotive), gesteuert über mehrere separate Steuergeräte (u.a. VCU, IPC, BDU). Kein Navigationssystem oder App-Ökosystem ab Werk; Bedienung über eine schmale Touch-Leiste und ein zentrales Display.

Das sagt die EV Community zum Microlino

Stärken:

  • Direktes, ungefiltertes Fahrgefühl

  • Sehr hohe Alltagstauglichkeit der Akku-Performance über mehrere Jahre: Langzeitnutzer berichten auch nach 25'000 km kaum messbaren Kapazitätsverlust.

  • Außergewöhnlich positive Resonanz im Straßenverkehr – Winken, Lächeln und Interesse von Passanten werden immer wieder als Highlight genannt.

  • Effizienter Verbrauch im Realbetrieb (ca. 8,5–10 kWh/100 km), gepaart mit dem Spass eines offenen Fahrzeugs bei abnehmbarem Dach/Seitenscheiben.

Schwächen:

  • Reale Reichweite liegt spürbar unter den WLTP/WMTC-Werksangaben; 75 % des Normwerts gilt in der Community als realistischere Faustregel.

  • Sehr geringe Ladeleistung (oft nur ca. 1,8–2,6 kW), dadurch lange Ladezeiten und kaum Spielraum für Spontanfahrten nach kurzer Nachladung.

  • Kein DC-Schnellladen und kein einstellbares Ladelimit (z.B. 80 %-Grenze) ab Werk – Lademanagement muss manuell oder über externe Hilfsmittel (Zeitschaltuhr, Wallbox-Timer) erfolgen.

  • Dünnes Service-/Händlernetz; Software-Updates sind ausschließlich autorisierten Microlino-Werkstätten vorbehalten, was bei grosser Entfernung zur nächsten Werkstatt zum Problem wird.

Bekannte Probleme
In der Community werden wiederkehrend mechanische Geräuschauffälligkeiten genannt: ein Knacken in der Lenkung beim Einparken sowie laute Schlaggeräusche der Vorderachse über Schlaglöcher und Bordsteine, teils auf das Domlager zurückgeführt, teils als bauartbedingt (straffe Federung, kleine Räder) eingeordnet. Auch klappernde Radkappen werden als Geräuschquelle identifiziert. Mehrfach berichtet werden Störungsmeldungen der Antriebsbatterie ("Defekt Antriebsbatterie") inklusive Komplettaustausch des Akkus sowie defekte Bremssättel, die ein Ziehen der Handbremse verhindern. Beim Laden an öffentlichen Ladesäulen kommt es nicht selten vor, dass die Freigabe zwar erfolgt, der Ladevorgang aber nicht startet und nach einigen Minuten automatisch abbricht – ein bekanntes, nicht abschliessend gelöstes Kompatibilitätsproblem. Bei sehr niedrigem Akkustand (unter ca. 8–10 %) wird die Leistung drastisch gedrosselt bis hin zu Schritttempo, eine Reichweitenreserve wie bei vielen anderen E-Autos ist nicht eingebaut. Vereinzelt wird von Komplettausfällen des Displays sowie von spontanen Neustarts des Bordcomputers während der Fahrt berichtet, was durch Firmware-Updates in einigen Fällen behoben werden konnte. Zusätzlich gibt es Berichte über monatelange Lieferverzögerungen bei Ersatzteilen und Fahrzeugpapieren (Fahrzeugbrief/COC), insbesondere bei zuvor geleasten Fahrzeugen.

Software & Connectivity
Das Infotainmentsystem ist bewusst minimalistisch gehalten: Ein zentrales Display zeigt Geschwindigkeit und Batteriestatus, die übrige Bedienung läuft über eine schmale Touch-Leiste. Es gibt kein integriertes Navigationssystem und keine offizielle Smartphone-App zur Fernsteuerung oder Statusabfrage des Fahrzeugs; eine Handyhalterung sowie eine mitgelieferte Bluetooth-Box dienen als einfache Medienlösung, deren Klangqualität in der Community eher kritisch beurteilt wird. Das Fahrzeug verfügt über mindestens fünf separate Steuergeräte (u.a. VCU für Antrieb/Akkugrösse, IPC fürs Display/Cockpit, BDU), die jeweils eigene, unabhängig voneinander aktualisierbare Firmware-Versionen besitzen. Updates erfolgen nicht "over the air", sondern ausschliesslich manuell in einer autorisierten Microlino-Werkstatt, meist im Rahmen der Jahresinspektion oder bei der Fehlersuche. Kundinnen und Kunden werden in der Regel nicht proaktiv über verfügbare Updates informiert, und die genaue installierte Versionsnummer wird vom Werkstattpersonal teils nicht ohne Nachfrage herausgegeben. Berichtete Verbesserungen nach einem Update umfassen ein saubereres Bootverhalten des Bordcomputers und weniger Aussetzer während der Fahrt; vereinzelt wird aber auch von Updates berichtet, die ein Fahrzeug zwischenzeitlich lahmgelegt haben, weshalb manche Nutzer bewusst auf dem bestehenden Softwarestand bleiben möchten.

Ladeerfahrungen
Geladen wird ausschliesslich über Typ-2-AC, meist mit dem mitgelieferten ICCB-Ladeziegel an Haushalts- oder Industriesteckdosen; die effektive Ladeleistung liegt für viele Nutzer im Alltag bei nur rund 1,8 kW, selbst wenn Wallbox oder Adapter theoretisch mehr zulassen würden, da der Bordlader die Grenze vorgibt. Eine volle Ladung kann dadurch leicht vier Stunden oder länger dauern, was bei spontanen längeren Touren zum limitierenden Faktor wird. Mehrere Forumsmitglieder berichten von Fällen, in denen sich der Microlino an öffentlichen Ladesäulen zwar erfolgreich verbindet, der eigentliche Ladevorgang aber nicht startet oder nach kurzer Zeit abbricht – betroffen waren u.a. Migrol- und andere AC-Ladesäulen; Abhilfe schafft oft nur eine andere Säule, ein Telefonanruf beim Betreiber oder ein alternativer Lade-App-Anbieter. Da es kein einstellbares Ladelimit (z.B. 80 %) und keine zuverlässige App-Zeitsteuerung gibt, behelfen sich erfahrene Nutzer mit Smartphone-Wecker, WLAN-Zwischensteckern (z.B. Shelly) oder der Timer-Funktion der eigenen Wallbox; eine direkte Fernsteuerung des Ladestarts über Drittanbieter-Automatisierung funktioniert meist nicht zuverlässig, nur die Wallbox-eigene Zeitsteuerung "weckt" das Fahrzeug zuverlässig auf. Bei kalten Temperaturen (unter ca. -5 °C) verweigert der Akku laut Community-Berichten das Laden komplett, da keine aktive Akkuheizung verbaut ist; empfohlen wird, direkt nach der Fahrt mit noch warmem Akku zu laden statt erst Stunden später. Für Langstrecken-/Passfahrten berichten erfahrene Mitglieder von Realreichweiten um 120–140 km mit dem 10,5-kWh-Akku bei vorausschauender, energiesparender Fahrweise (50–60 km/h, viel Segeln), während die Werksangaben (bis 177 km bzw. bis 230 km beim Long-Range-Akku) als kaum erreichbar gelten. Als Reichweiten-Notfallreserve nutzen einzelne Vielfahrer mobile Powerstations (z.B. Bluetti AC200Max) im Kofferraum, wobei kleine Notstromaggregate unterhalb einer gewissen Mindestleistung vom Microlino gar nicht erst akzeptiert werden, da der Onboard-Lader einen Mindestladestrom verlangt.

Besitzer-Tipps
1. Vor längeren Touren oder Passfahrten unbedingt eine Ladereserve von mindestens 15–20 % einplanen, da keine echte Reichweitenreserve eingebaut ist.

2. Bei kühlen Temperaturen den Akku möglichst direkt nach der Fahrt laden, solange er noch warm ist – ein kalter Akku (unter ca. -5 °C) lädt unter Umständen gar nicht.

3. Mehrere Lade-App-/Kartenanbieter (z.B. TCS eCharge, MOVE, mobility+) ohne Abo-Bindung mitführen, falls eine Ladesäule den Microlino nicht erkennt oder den Ladevorgang abbricht.

4. Immer beide Ladekabeltypen (Typ-2-Kabel und Schuko-Adapter/CEE) mitführen, um auch an einfachen Haushaltssteckdosen laden zu können.

5. Den Ladestrom am Ladeziegel/Wallbox bewusst reduzieren (z.B. 6–8 A) für ein akkuschonenderes, langsameres Laden.

6. Da es kein automatisches Ladelimit gibt, Smartphone-Timer, WLAN-Zwischenstecker oder die Zeitsteuerung der eigenen Wallbox nutzen, um z.B. bei ca. 80 % zu stoppen.

7. Software-/Firmware-Stand bei jeder Jahresinspektion aktiv erfragen, da Werkstätten dies nicht automatisch mitteilen.

8. Bei ungewöhnlichem Knacken in der Lenkung beim Einparken dies werkstattseitig abklären lassen statt es als normal abzutun.

9. Bei lauten Schlaggeräuschen der Vorderachse testweise die Radkappen abnehmen – häufig reduziert das spürbar das Klappern.

10. Bei Lieferverzögerungen von Fahrzeugpapieren oder Ersatzteilen frühzeitig parallel bei Händler, Importeur und Microlino direkt nachfassen, alle Korrespondenz schriftlich dokumentieren und nötigenfalls eine Frist setzen.

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