BYD Dolphin Surf im 24h Test – Wie schlägt sich der elektrische Kleinwagen aus China?
Der BYD Dolphin Surf stand schon lange auf meiner Liste von Elektroautos, die ich unbedingt näher kennenlernen wollte. Denn er bringt frischen Wind in das Segment der kleineren Fahrzeuge – und das ist wichtig. Doch wie gut ist der kleine Stromer aus China wirklich? Und wie schlägt er sich in den verschiedenen Alltagssituationen?
Um das herauszufinden, hatte ich die Gelegenheit, den derzeit kleinsten in Europa angebotenen BYD einen ganzen Tag lang ausgiebig Probe zu fahren. Zu zweit und mit etwas Gepäck für eine Übernachtung legten wir insgesamt 365 Kilometer mit dem Dolphin Surf zurück – inklusive einer kurzen Nachtfahrt, um auch diesen Aspekt zu testen. Zwei Ladestopps waren Teil der Strecke: einmal an einer AC-Ladestation und einmal an einem HPC-Schnelllader.
Unsere Route führte mich von der Stadt Zürich über Landstraßen bis zur ersten Autobahnetappe von etwa 100 Kilometern. Danach ging es weiter über eine kurvige Bergstraße in Richtung Chur im Kanton Graubünden. Dort lud ich das Fahrzeug wieder auf 100 % auf, und wir gönnten uns auch eine kleine Mahlzeit.
Von Chur aus fuhren wir hinauf in das Bündner Feriendorf Arosa, wo wir übernachteten. Die Straße nach Arosa ist bekannt für ihre zahlreichen Kurven und somit eine perfekte Gelegenheit für den Dolphin Surf, seine Qualitäten auf alpinen Straßen unter Beweis zu stellen.

BYD Dolphin Surf - Steckbrief
Der Dolphin Surf ist etwas größer als etwa der Hyundai Inster und wird vom chinesischen Konzern BYD hergestellt. Kommerziell ist der Dolphin Surf, in China „Seagull“genannt, ein Erfolg. Seit er 2023 auf den Markt kam, wurden bereits über eine Million Fahrzeuge hergestellt.
Mit einer Länge von knapp 4 Metern, einer Breite von 1,72 Metern (mit ausgeklappten Spiegeln: 1,97 m) und einer Höhe von 1,59 Metern gehört er nicht zu den Kleinstwagen. Mit seinen Abmessungen ist er nur geringfügig kleiner als beispielsweise ein Opel Corsa-e oder ein Peugeot e-208.
Trotzdem bleibt der Dolphin Surf vor allem ein Fahrzeug für den urbanen Raum. Er bietet vier Sitzplätze und eine geteilt umklappbare Rückbank, mit der sich der Laderaum auf über 1.000 Liter erweitern lässt. Der Einstieg gelingt bequem über die vier Türen, und die Heckklappe öffnet weit genug, sodass auch größere Personen sich nicht den Kopf stoßen.
Angeboten wir er in den drei Ausführungen Active, Boost und Comfort. In der Einstiegsversion für CHF 20990 ist eine 30 kWh LFP-Batterie verbaut. Die höherpreisigen Versionen werden mit einer 43.2 kWh LFP-Batterie angeboten. Wie konnten die Variante „Comfort“ mit 115 kW Motor testen.
Das Design ist, wie immer, Geschmackssache. Für mich macht der Dolphin Surf einen jungen, dynamischen Eindruck. Vor allem die Front- und Seitenansicht wirken sportlich, das Heck hingegen etwas schlichter. Alles in allem aber ein modernes, stimmiges Fahrzeug mit urbanem Charakter.
Der erste Eindruck zählt
Wie so oft sagt der erste Eindruck viel über ein Auto aus – und in diesem Fall war er durchweg positiv. Auf den ersten Blick konnte ich keine typischen Schwächen oder Mängel erkennen. Der Innenraum wirkt durchdacht, aufgeräumt und einladend. Die Sitze sind überraschend bequem und die Sicht nach vorne ist sehr gut.
Das Cockpit, insbesondere der zentral platzierte, angenehm große Bildschirm, hinterlässt einen hochwertigen und zeitgemäßen Eindruck. Alle physischen Bedienelemente sind logisch angeordnet, was die Bedienung intuitiv macht.
Beim Fahren fühlt man sich weniger wie in einem klassischen Kleinwagen, sondern eher wie in einem Kompaktwagen. Der Dolphin Surf will also mehr sein, als er auf den ersten Blick wirkt – und das schafft er auch. Die Platzverhältnisse bestätigen diesen Eindruck: Für ein Fahrzeug seiner Klasse fühlt sich der Innenraum angenehm großzügig an.
Fahrkomfort: Entspannter Begleiter auch auf längeren Strecken
Der Fahrkomfort unseres Testwagens hat in vielerlei Hinsicht unsere Erwartungen übertroffen. Zum einen ist das Fahrwerk angenehm ausgewogen, weder zu hart noch zu weich. Zum anderen wirkt der Dolphin Surf insgesamt sehr gut abgestimmt und lässt sich angenehm und ruhig fahren.
Für besonders sportlich ambitionierte Fahrer könnte das Setup allerdings etwas zu komfortabel sein. Doch gerade auf längeren Strecken spielt diese komfortable Auslegung ihre Stärken voll aus: Unebenheiten der Straße werden gut geschluckt, ohne dass das Fahrzeug ins Schwimmen gerät. Auch in Kurven lässt sich der Dolphin Surf präzise und kontrolliert manövrieren. Ein Sportwagen ist er zwar nicht , doch auf kurvigen Streckenabschnitten bewegt er sich sicher und agil, ohne überfordert zu wirken.
Insgesamt lässt sich sagen: Die Fahrwerksabstimmung ist ein gelungener Kompromiss, mit dem viele Fahrerinnen und Fahrer im Alltag sehr gut zurechtkommen dürften.
Was ebenfalls positiv auffällt: Der Innenraum bleibt bis etwa 80 km/h sehr leise. Zwar treten bei höheren Geschwindigkeiten leichte Windgeräusche auf, diese bleiben jedoch auf einem konstanten, unaufdringlichen Niveau und sind in dieser Fahrzeugklasse absolut im Rahmen.
Ein weiterer Komfortfaktor sind die gut geformten Sitze und die sehr ordentlichen Platzverhältnisse. Sowohl Fahrer als auch Beifahrer verfügen über viel Beinfreiheit, und auch auf der Rückbank gibt es ausreichend Platz. Ich selbst bin 1,85 m groß und konnte hinten problemlos sitzen, ohne dass meine Knie den Vordersitz berührten – und das kommt in dieser Fahrzeugklasse nicht allzu häufig vor.
Auch die Klimaanlage macht einen positiven Eindruck: Selbst auf niedriger Lüfterstufe arbeitet sie flüsterleise, auch im reinen Umluftbetrieb. Wo im Innenraum Hartplastik verwendet wird, ist dieses angenehm strukturiert und unauffällig integriert, sodass es optisch nicht negativ ins Auge fällt.
Nach unserer längeren Testfahrt stiegen wir erstaunlich entspannt wieder aus. Im direkten Vergleich mit meinem aktuellen Fahrzeug, dem Peugeot e-208, bietet der Dolphin Surf spürbar mehr Fahrkomfort auf längeren Strecken.
Photo: Für einen kurzen Ausflug bleibt genügend Platz im Kofferraum. Für den Einkauf ebenso.

Infotainmentsystem: Viel Technik, kleine Schwächen
Der BYD Dolphin Surf setzt bei der Bedienung stark auf den zentralen Touchscreen – ganz im Stil eines „Mini-Tesla“. Einige wichtige Funktionen lassen sich aber dennoch über physische Tasten direkt anwählen, etwa Klimasteuerung, Lüftung oder die Lautstärke der Musikanlage.
Bei Fahrzeugtests ist mir immer auch ein „Sound-Check“ wichtig. Die vier verbauten Lautsprecher liefern meinem Eindruck zufolge eine ausreichende Klangqualität. Interessanterweise war die Klangqualität des gleichen Radiosenders über DAB schlechter im Vergleich zum Streamen via App über Apple CarPlay. Das DAB Radio zeigte auf verschiedenen Kanälen auch immer wieder Aussetzer. Hier besteht möglicherweise noch Optimierungsbedarf.
Besonders positiv aufgefallen ist mir das Navigationssystem: Es arbeitet sehr flüssig, ist klar ablesbar und bietet sogar eine durchdachte Ladeplanung – ein echtes Plus für Elektrofahrzeuge.
Auch die Benutzeroberfläche ist gut durchdacht: Die Menüleiste lässt sich individuell konfigurieren, ebenso die Position der Apps auf dem Startbildschirm. So können häufig genutzte Funktionen wie Radio, Klimasteuerung, Android Auto oder Apple CarPlay wunschgemäß positioniert werden. Die Bedienung des Touchscreens läuft insgesamt sehr reaktionsschnell.
Das digitale Kombiinstrument hinter dem Lenkrad zeigt die wichtigsten Fahrinformationen an und obwohl das Display keine Blendschutz-Abdeckung hat, ist es trotzdem gut ablesbar. Insgesamt ist das Infotainmentsystem sehr umfangreich ausgestattet und weitgehend nutzerfreundlich, allerdings gibt es auch noch Optimierungsbedarf: So fehlt z.B. die Anzeige zur aktuellen Außentemperatur. Auch ist es mit der manuellen Klimaanlage nicht möglich, die gewünschte Temperatur in °C einzustellen – stattdessen können nur Stufen gewählt werden. Einige der Anzeigen im Kombiinstrument (Tempomat-Anzeige) und am zentralen Bildschirm (Menu am unteren Bildschirmrand) dürften etwas größer ausfallen. Dies würde die Lesbarkeit resp. Bedienung während der Fahrt erleichtern.
Photo: Ladeplanung im BYD Dolphin Surf am Beispiel Zürich- Hamburg. Selbst bei größeren Fahrzeugen der Konkurrenz oftmals noch nicht Standard.

Fahrleistungen: Angenehm dynamisch
Alle drei Varianten schaffen eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h, was für ein Fahrzeug dieser Klasse völlig ausreichend ist.
Die beiden Basisvarianten mit schwächerem Motor (65 kW) dürften für die meisten Alltagsanwendungen genügen. Wer gerne etwas flotter unterwegs ist, wird jedoch mit der stärkeren Motorisierung mehr Fahrfreude erleben.
Das Bremsverhalten ist unauffällig – im positiven Sinne. Die Bremsen lassen sich recht präzise dosieren und reagieren gleichmäßig. Beschleunigen und Verzögern erfolgt sanft, ruckfrei und kontrolliert, Der Wagen fährt sich insgesamt geschmeidig.
Der Verbrauch ist erfreulich niedrig, insbesondere im urbanen Betrieb. Bei angenehmen Außentemperaturen von gut 20°C sind im Stadtverkehr Werte von unter 11 kWh/100 km möglich. Auf der Autobahn (100-120 km/h) waren es während des Tests rund 16-17 kWh/100 km. Bei Rückgabe des Wagens waren insgesamt 642 km auf der Uhr und es wurde uns ein Durchschnitt von nur gerade 13.4 kWh/100 km angezeigt.
Ausstattung: Viel drin für die Klasse
Die Ausstattung des Dolphin Surf ist für diese Fahrzeugklasse durchaus umfangreich. Der Innenraum ist gut verarbeitet und ansprechend gestaltet. Für sein Klasse sind die Platzverhältnisse großzügig. Nachfolgend einige Ausstattungsdetails (nicht abschließend), die mir erwähnenswert erscheinen:
LED Scheinwerfer
LFP Batterie (langlebig, feuerfest und kobaltfrei)
Elektrisch verstellbare Sitze (Version Boost und Comfort)
Sitzheizung vorne (Comfort)
Zentralbildschirm mit kabelloser Smartphone-Anbindung
Adaptiver Tempomat
11 kW onboard Lader
Keyless Entry
V2L-fähig
Modernes, übersichtliches Cockpit
Die komplette Ausstattungsliste findest du in der BYD Dolphin Surf Broschüre.Dolphin surf-0625-BPS-EN-V2-print.pdf
Trotz viel Lob bezüglich Ausstattung, einige Features die aktuell (MJ 2025) fehlen und seine Attraktivität noch steigern würden:
Totwinkelassistent
Lenkradheizung
Parksensoren vorne
Außentemperaturanzeige
Heckscheibenwischer
Temperaturregelung in °C der Klimaanlage
Kein One-Pedal Driving möglich, zwei Rekuperationsstufen
Ladelimit nicht einstellbar
Fazit: Ausgewogener Kompakt-Stromer mit Überraschungspotenzial
Der BYD Dolphin Surf bietet ein beeindruckend rundes Gesamtpaket: Ein angenehmes Fahrverhalten, gute Reichweite, modernes Infotainment und guter Sitzkomfort. Mit der BYD Blade Batterie (LFP) ist zudem eine Batterie verbaut, die viele Vorteile vereint. In seiner Fahrzeugklasse zählt der Dolphin Surf sicher zu den spannenderen Alternativen.
Gibt es eine Variante die besonders empfehlenswert ist? Eine generelle Empfehlung gibt es nicht. Wer sich jedoch fast ausschließlich im urbanen Raum bewegt kann auch mit der Einstiegsvariante bereits glücklich werden. Sie bietet bereits eine sehr gute Ausstattung und entspricht betreffend Leistung/Reichweite in etwa einem VW e-up, jedoch mit zeitgemäßer Software Architektur. Die Top-Variante „Comfort“ ist vor allem als Erstfahrzeug interessant. Auf das Fahrzeug gewährt BYD 6 Jahre, und auf die Antriebsbatterie 8 Jahre Garantie.
Erste Fahrzeuge sind bereits erhältlich und BYD Schweiz wird bis Ende Jahr weitere Service- und Verkaufsstellen eröffnen. Auch in Deutschland und Österreich wächst das Händlernetz stetig. Sobald die beiden im Bau befindlichen Werke in Ungarn und der Türkei betriebsbereit sind, werden auch die ersten BYD-Fahrzeuge „made in Europe“ erhältlich sein.
Wie ist dein Eindruck vom BYD Dolphin Surf? Hast du noch Fragen dazu? Hinterlasse gerne einen Kommentar. Bei Fragen helfen wir gerne!
Photo: Keckes, kompaktes Design, dynamischer Auftritt und trotzdem mit 5 Türen sehr praktisch im Alltag.


Kombiinstrument des BYD Dolphin Surf: Gute Lesbarkeit auch bei Helligkeit, aber teilweise etwas kleine Anzeigen.

Empfohlene Kommentare