Goldener Herbst für den BMW i3
Beim Anblick des BMW i3 wird nicht jedem sofort warm ums Herz. Es muss ca. 2014 gewesen sein, als ich das erste Mal mit einem i3 fahren konnte. Ich erinnere mich noch gut daran wie sportlich sich der i3 bewegen ließ. Und das mutig anmutende aus rezyklierten Material bestehende Interieur hinterließ ebenfalls einen bleibenden positiven Eindruck. Aber zu mehr reichte es damals nicht. Schuld war wohl eine Kombination von Faktoren. Ich denke da z.B. an den Preis, verfügbare Batteriekapazität, CCS gegen Aufpreis und das für mich gewöhnungsbedürftige Aussehen.
Vor einigen Tagen hatte ich nun wieder einmal die Gelegenheit einen i3 zu fahren. Ob der elektrische Stromer aus Bayern mit Zellen von Samsung SDI mein Herz doch noch erobern würde? Die Ausgangslage war diesmal auf jeden Fall besser, denn nicht nur preislich ist der neue i3 zwischenzeitlich attraktiver geworden. Auch der onboard 11 kW Lader ist seit 2018 standardmäßig verbaut. Und die Brutto-Batteriekapazität hat sich seit der Markteinführung von 22kWh auf 42.2 kWh fast verdoppelt.
Photo: BMW i3 120 Ah vor imposanter Hauskulisse (Kanton Bern)
Verbrauch: Eindrücklich gut!
Mein Testfahrzeug war ein fast neuer i3 120 Ah mit netto 37.9 kWh Batteriekapazität eines lokalen e-Carsharing Unternehmens. Geplant war eine Mischstrecke aus Autobahn, Überland und Gebirge sowie etwas Stadtverkehr mit einer Totalstrecke von ca. 260 km. Ob dies der i3 ohne Zwischenladung durchstehen würde?
Er tat es. Mit einem Durchschnittsverbrauch von knapp 13 kWh und einer Restreichweitenanzeige von 40 Kilometern wäre sogar die 300km Marke zu knacken gewesen. Gefahren wurde der Wagen „normal“, ab und zu war auch ein Sprint dabei, und auf der Autobahn ließen wir den i3 mit ca. 100-120 kmh dahin surren. Der i3 lässt sich also erstaunlich effizient bewegen!
Bedienung und Ausstattung
Bis ich losfahren konnte, dauerte es doch etwas länger als bei meiner Kia e-Soul Testfahrt vor einigen Wochen. Schalter, Drehregler und Funktionen sind beim „ersten Mal“ noch etwas gewöhnungsbedürftig. Mit einer Kurzanleitung des Carsharing-Vermieters ging es dann aber doch noch los.
Nach einigen Kilometern gewöhnt man sich jedoch recht schnell an das neue Umfeld. Und man merkt, die Bedienelemente sind durchaus recht sinnvoll angeordnet. Das Navi kam mir allerdings anfangs noch etwas altbacken vor, und die Bedienung ist vielleicht nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Aber auch hier stellte sich eine steile Lernkurve ein. Einmal im Griff. Lässt sich das Infotainment System gut steuern. Das sich außer Reichweite der Hände befindliche LCD Display hat zudem den Vorteil, das der Blick etwas näher am Geschehen auf der Strasse ist.
Insgesamt macht das Cockpit einen sauberen, aufgeräumten Eindruck. Das macht sich auch bei Dunkelheit positiv bemerkbar. Die Instrumentierung/Beleuchtung ist angenehm und wirkt niemals überladen. Der Innenraum ist zudem auffrischend anders gestaltet. So wie viele Dinge wenn man den i3 mit herkömmlichen Verbrenner BMWs vergleicht. Man hat das Gefühl, die BMW Ingenieure wurden angewiesen ein im Vergleich zu anderen BMWs komplett anderes Auto zu bauen. Es ist ihnen gelungen! Hauptmerkmal ist hier sicher die CFK-Karosserie und die sich gegenläufig öffnenden Türen (Portaltüren).
Photo: Eher unkonventionell aber gut durchdacht. Das Cockpit des i3.
Aus Freude am (elektrischen) Fahren
Der bekannte BMW Slogan verdient es auch beim i3 verwendet zu werden. Die 170PS sind jederzeit bereit für etwas abgasfreien Fahrspaß. Ob kurvig oder auf der Sprint-Geraden, der i3 bleibt stets ohne zu murren seiner Spur treu. Auch hat man das Gefühl, die von BMW erzielten Gewichtseinsparungen direkt wahrnehmen zu können. Der ca. 1350kg schwere (leichte) Wagen lässt sich leicht und flink über die Strasse bewegen.
Auch bei den Fahrgeräuschen gibt es gute Noten. Die Lärmabschirmung ist gut, einzig auf der Autobahn kamen in Fussbodennähe zeitweise etwas Vibrationen auf.
Habe ich mich in den i3 verliebt?
Zurück zur Ausgangsfrage. Konnte der i3 mein Herz doch noch erobern?
Durch die ausgedehnten Probefahrt habe ich die Qualitäten des Bayern-Stromers besser kennen und schätzen gelernt. Angesichts der recht attraktiven Preise bei gleichzeitig guter EV-spezifischer Ausstattung, kommt so mancher Elektroauto-Interessent ins Grübeln. BMW hat von Anfang an einiges richtig gemacht. Und so meine ich, ist der Wagen auch im Jahr 2020 ein durchaus interessantes Elektrofahrzeug.
Denn mit seiner Effizienz, dem 11kW Bordlader und mit der optional erhältlichen Wärmepumpe kann er auch heute noch viel Freude bereiten. Das Aussehen ist und bleibt aber eher außergewöhnlich. Doch auf längere Sicht könnte ich mich daran gewöhnen. Helfen tun da vor allem auch seine attraktiven technischen Werte.
Photo: LED-beleuchteter CCS Anschluss.
BMW i3 Verkaufszahlen stark steigend
Die Zulassungszahlen konnten 2019 gegenüber dem Vorjahr um fast das doppelte gesteigert werden. Die Zunahme ist damit besser als beim bis dato erfolgreichsten Elektroauto Europas, dem Renault ZOE. Wie es scheint, genießt der BMW i3 gerade einen goldigen Herbst in seinem Lebens- resp. Produktionszyklus.
Wie sind deine Erfahrungen mit dem BMW i3? Was gefällt euch, was weniger?
Ich freue mich über Rückmeldungen.
Empfohlene Kommentare