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Goodbye P&C, hello Type 2!

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Hallo zusammen,

seit ich mein TWIKE fahre, bin ich immer wieder mal auf der Strecke Zürich-Basel unterwegs und habe den Park & Charge (P&C) Ladehalt beim Trafoplatz in Baden schätzen gelernt. Am Morgen auf der Hinfahrt TWIKE einstöpseln und im Café Himmel gediegen frühstücken; auf der Rückfahrt am Abend beim Speedy kaum 100 Schritte neben der Ladestation eine Pizza reinziehen, oder auch nur für kurze Bio-Pause in der Trafohalle vorbeigehen... für das (bzw später die) TWIKE hatte es immer einen Anschluss frei, CH Typ 12, CEE16-3, oder CEE32-5 mit Adapterkabel - irgendwas ging jeweils, und selbst wenn ein protziger Tesla auf dem Parkplatz stand, konnte sich das TWIKE auf dem Trottoir daneben reinquetschen und trotzdem Strom nuckeln.  Diese Idylle hat mehr als ein Jahrzehnt gut funktioniert, bis der (angekündigte) Niedergang des P&C Netzes kam und die Ladestation erst kastriert und dann schliesslich komplett abgebaut wurde. Ich musste feststellen: Die Welt ums TWIKE herum hat sich geändert; manches positiv, manches eben nicht. So konnte ich mich nun entweder weiter durchwursteln, oder aber aktiv werden und das TWIKE für das nächste Jahrzehnt fit machen, indem ich eine Typ2-Lademöglichkeit einbaue. Für mich musste diese folgende Kriterien erfüllen:

  1. Kein Kabelverhau, Adapterkabel oder -kisten whatsoever
  2. Kein Umstöpseln und Schalten, Magnete hinhalten, etc - Einstecken, Ausstecken, und los (neudeutsch würde man wohl sagen "charge-to-go" ? )
  3. Upgrade-Möglichkeit für Schnellader auf zwei weiteren Phasen
  4. Kompatibilität mit dem bestehenden Batterieeinbau
  5. Eingermassen saubere Ausführung - im durchschnittlichen TWIKE hat es Chaos genug

So entstand auch in Hinsicht auf komfortablere Ferien-Touren (nach dem Vorbild von Ralph: http://www.twikeklub.ch/index.asp "TWIKE bei den Griechen") dieses hier für den ambitionierten TWIKE-Schrauber vorgestellte Projekt. Weil jedes TWIKE individuell ist - ich fluche da jedesmal, wenn die Masse zwischen den TWIKEs verschiedener Generationen nicht übertragbar sind - ist das ein one-off, ein Einzelstück. Wer mag, kann mich via PM für mehr Doku anfragen; BOM hab ich fast beisammen, Schaltplan zur Zeit noch nicht. Wie immer: 400V Standard-Disclaimer applies - your mileage may vary ?


Ausgangslage
Grundsätzlich gab es für mich zwei mögliche Lösungen für die Platzierung einer Typ2-Einbausteckdose am TWIKE: Entweder aussen neben dem Haubenschloss, oder irgendwo innen. Ersteres ist mehr E-Mobil-like, braucht innen im Gepäckraum aber einiges an Einbautiefe und die Kabel müssen gut geschützt werden, damit sie vom Gepäck nicht beschädigt werden. Ausserdem ist die TWIKE-Hülle recht schwabbelig und bräuchte eine Verstärkung, soll ein Typ-2 Stecker einer Ladesäule mit entsprechend schwerem Kabel da sicher verankert sein. Ein Verriegeln des Steckers wäre hier auch ein Muss, weil es genug Deppen gibt, die beim Vorbeigehen einfach mal dran ziehen. Bei einem Einbau ganz im Innenraum verliert man zwar etwas Platz für Gepäck hinter dem Beifahrersitz, aber der Umrichter-Ventilator sollte sowieso frei sein, und somit ist eine Positionierung in der Mitte über dem Kettenkasten geradezu prädestiniert. Der Stecker ist zudem in Trockenen, und keiner stöpselt den einfach so aus - die Verriegelung kann man sich somit schenken. Einziger Nachteil: Das Ladekabel muss zwischen Haubenrahmen und Aussenhülle rausgeführt werden - bei dem meisten TWIKEs wird es hierzu - dank der TWIKE-typischen "Toleranzen" - irgend eine Ecke mit genügend Spalt haben, wo dies möglich ist.

(Fortsetzung folgt)

 

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  • Autor

Einbau Typ-2 Fahrzeugdose
Der Dreifels-Batterieeinbau, den ich in verschiedensten Varianten spazieren fahre, hat am Spaceframe hinter den Sitzen etwa 10cm über dem 4-Kant-Profil einen 30x30mm Aluwinkel quer verbaut, an welchem damals für die NiCd-Akkus essentiellen Kühlventilatoren hingen und auf welchem die Gepäckablage (Sperrholzbrett) aufliegt (Foto: TW713 Batterieeinbau fertig Übersicht). Die Ventilatoren sind mit den LiFe, LiMn oder LiPo Akkus praktisch obsolet, und es braucht eigentlich nur noch eine 92x92mm Öffnung hinter dem Beifahrersitz, damit der DC/DC Luft kriegt. Die restliche Fläche habe ich mit einer Aluplatte abgedeckt, welche mit low-profile Industrieklett (3M DualLock SJ-457 D) am Aluwinkel und Spaceframe befestigt ist (Foto: IMG_7581, IMG_7583). So lässt sich diese bei Bedarf einfach ausbauen. In der Mitte kommt der Ausschnitt für eine Typ-2 Fahrzeugdose hin (Foto: IMG_8227), welche ich zusammen mit einem 16A-Dreiphasen-Typ2-Ladekabel (braucht man sowieso) über Aliexpress bezogen habe. Bei der Fahrzeugdose gibt es 16A und 32A Versionen, welche sich im Durchmesser der Bohrungen hinten an den Steckerpins unterscheiden. Die Steckerpins sind zum Crimpen gedacht und Löten ist nicht nur mühsam, sondern laut Vorschrift bei den Leistungen auch nicht erlaubt. Somit haben meine 32A-Pins von mir Gewinde und Madenschrauben zum Klemmen der 6mm2 Litzen (Huber+Suhner Radox 155) gekriegt, und diese habe ich mit Schraubensicherung (Loctite 243) festgesetzt (Foto: IMG_8225, IMG_8227). Alternativ kann man die Dose mit bereits vormontierten Kabelenden kaufen.

Weil eine ausgewachsene Ladestation locker mal 48kW ins TWIKE reinschütten kann, ist eine Absicherung Pflicht. Entsprechend habe ich auf dem unteren 4-Kant Spaceframeprofil eine 35mm Hutschiene mit 2xM6 und Fächerscheiben festgeschraubt, welche auch gleich die Funktion der Schutzerdung wahrnimmt (Foto: IMG_8220). Auf diese kommen drei 16A-Sicherungsautomaten (ABB S201M-B16, Charakteristik B) und Reihenklemmen für Erdung und Nullleiter (WAGO TopJob Serie 2004, 4mm2), sowie das IEC 62196 PP und CP Zugemüse (WAGO TopJob Serie 2000, 1mm2) (Foto: IMG_8233). Alles solide Schaltschranktechnik - ist zwar ein halbes Kilo schwer, spart aber Platinengefrickel und Gehäuse. Von den Sicherungen/Klemmen geht es weiter mit 5Gx2.5mm2 und 3x0.5mm2 zum Steckdosenmodul (s.u.).

(Fortsetzung folgt)

TW713 Batterieeinbau fertig Übersicht.jpg

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bearbeitet von TW-448
Details zu Materialien ergänzt

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  • Autor

Steckdosenmodul
Als Einbauort für das Steckdosenmodul habe ich den Raum zwischen Umrichter und der Lüfterbalken-Abdeckplatte auserkoren. Liegt strategisch günstig und kann wegen seiner unmöglichen Form sonst kaum für etwas Vernünftiges genutzt werden. Auf einer 245x200x2mm Aluplatte habe ich mir eine entsprechende Anordnung ausgedacht (Foto: IMG_7600), das Alu gebogen, anschliessend die entsprechenden Ausschnitte gemacht, und die Komponenten (wiederum Schaltschranktechnik, s.o., ginge sicher kleiner) angeschraubt bzw mit 3M Industrieklett befestigt. Seitenwände dran und das ganze Modul wird an der Aluplatte mit der Typ2-Steckdose angeschraubt (Foto: IMG_7726). Selbstvertändlich muss alles ordentlich geerdet sein - Fächerscheiben, Erdungskabel, etc. Die Innereien sieht man in IMG_8188:

  • Links unten ein 230V-Relais (Finder 48.52.8.230.0060SPA), welches beim Anlegen der 230V an der Typ2 Dose die TWIKE Parkdosenleitung unterbricht und so Ladebereitschaft erstellt
  • Darüber ein 12V-Relais (Finder 40.52.9.012.0000 in Sockel Finder 95.05SPA), welches beim Anliegen der TWIKE 12V-Versorgung die Typ2 Ladestation von Standby (CP-PE 2740Ohm) auf Laden (CP-PE 2470Ohm + 1300Ohm parallel) umschaltet
  • Rechts ein Zeitrelais (Finder 80.01.0.240.0000), welches die Spannung an der weissen T23-Steckdose mit Verzögerung anlegt, so dass das TWIKE Zeit hat, auf Laden umzuschalten
  • Gleich links neben der weissen T23-Steckdose  (Steffen 13 13123) befindet sich ein Reed-Sensor (Hamlin 59145-010), welcher beim Ausstecken des mit zwei kleinen Würfel-Supermagneten versehenen Steckers (Foto: IMG_8192) die Parkdosen-Leitung unterbricht und das TWIKE auf Laden umstellt

Man kann also nach Ankunft an einem Ladepunkt einfach den Typ2-Stecker in die Dose stöpseln, das TWIKE wird auf Laden umgeschaltet und via Parkdose & bestehendes Ladekabel geladen. Gleichzeitig stehen an den beiden CEE16-3 zwei Phasen für Zusatzlader oder für zwei weitere TWIKEs zur Verfügung. Ist die Batterie voll, schaltet der Dreifels-Controller das TWIKE aus, das 12V-Relais fällt ab, und der Ladestation wird das Ladeende bzw. Standby signalisiert. Will man an einer Haushalt-Steckdose laden, zieht man den Stecker aus der weissen Parkdose aus, das TWIKE schaltet wiederum automatisch auf Laden, und man stöpselt das TWIKE-Ladekabel ein wie immer.

Ein erster Erfahrungsbericht meinerseits ist relativ kurz: Funktioniert  - bisher keine Probleme auf meinen Touren (Foto: IMG_8402).

Gruss,
Florian + TW415 + TW713

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bearbeitet von TW-448
Details zu Materialien ergänzt

Geschrieben

Sehr geil umgesetzt und sauber gearbeitet. 

Allerdings könnte es sein das du mit der innenliegenden Buchse ein Problem an Säulen mit festen Kabeln bekommst. Das habe ich letztens an der neuen Säule unseres LIDL feststellen müssen. Die liefert 43 KW und daher ist das Kabel so dick das die Haube nicht mehr zu geht. 

Ich arbeite nur mit einem Selbstgebauten drei Phasen Adapter das durch eine kleine Modifikation im Notfall auch an fest angeschlossenen Kabeln funktioniert.

Für das Adapter habe ich mich entschieden weil ich es auch für die Zero nutze. Da zählt jeder Zentimeter Stauraum. Außerdem läd die über drei Phasen und ich brauche dann CEE am anderen Ende.

So sieht mein Adapter aus das bis jetzt recht gut funktioniert hat. Sogar an Telsa Ladern die etwas Fingerspitzengefühl verlangen.

https://twike-weilerswist.jimdofree.com/blog-umbauten-veränderungen-twike/typ-2-schuko-adapter/

So sieht das ganze dann beim Laden aus.

https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/Deutschland/Weilerswist/Lidl-Bonner-Strasse-68/43182/

Gruß Dirk

bearbeitet von cruisen

Dirk aus dem Raum Köln/Bonn, Twike 1023 und Twike 5 Pionnier seit 2016. TWIKE-Weilerswist

 

 

Geschrieben
  • Autor

Hallo Dirk,

Bei den ABB-Säulen ist mir das fette, schwere Kabel in der Tat auch schon aufgefallen, insbesondere weil der Stecker m.E. von der Robustheit im Verhältnis zum Kabel zu schwach ist. An vielen ABB 43kW Typ 2 Ladesäulen ist der Stecker angeschlagen durch häufiges auf den Boden fallen, und das Kabel übt in gestecktem Zustand eine erhebliche Hebelkraft auf die Fahrzeugdose aus.

Bei diesen Säulen nehme ich das Kabel entweder seitlich durch das Fenster raus oder, wenn ich das Kabel oben raus führe, ziehe ich die Haube mittels Spannriemen zu. Das Kabel hinterlässt auf der weissen TWIKE Kunststoff-Karosserie gerne schwarze Striemen, welche nur schwer rauszukriegen sind. Zugegebenermassen nicht gerade optimal - mir ist dann aber trotzdem wohler, wenn der Stecker im Trockenen ist.

Bei dieser Gelegenheit noch Kudos an LIDL - die haben es begriffen. Ich gehe mal davon aus, ALDI und in der Schweiz Migros und Coop ziehen dann mal flächendeckend nach.

Eine Rückfrage meinerseits: Wie kriegst Du an den Tesla-Ladern Strom? Ich bin bisher davon ausgegangen, für EVs ausserhalb des Tesla-Ökosystems gibt es da nix.

Gruss,
Florian

Geschrieben

Hallo Florian,

bei schlechtem Wetter lege ich die Steckverbindung auch ins TWIKE. 

Es gibt in Hotels oder Restaurants zwei Typen von Tesla Ladern. Einmal die an denen wirklich nur Tesla's laden können. Damit dort auch andere Fahrzeuge als Tesla laden können haben sie noch eine zweite Tesla Typ 2 Station installiert. Diese funktioniert an allen anderen Fahrzeugen.  Oft ist hier aber das Problem das man zwischen dem Einstecken und anlegen des vehicle detect bis zu einer halben Minute warten muss. Also etwas ausprobieren und Glücksspiel. Daher ist es von Vorteil wenn man das manuell schalten kann. 

Gruß Dirk 

Dirk aus dem Raum Köln/Bonn, Twike 1023 und Twike 5 Pionnier seit 2016. TWIKE-Weilerswist

 

 

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